Max Goldt las in Husum

Gestern habe ich die erste Lesung in meinem nicht mehr ganz so jungem Leben besucht. Es gibt weitere Beispiele dafür, dass ich mehrfach das „Besser spät als nie“-Prinzip angewandt habe. „Max Goldt ließt“ stand auf dem Aufsteller vor dem Speicher in Husum, der sich wie in Hafenstädten üblich, am Husumer Hafen befindet. Ich höre Max Goldt gern beim Lesen zu, er hat einen ganz besonderen Tonfall, eine ganz besondere Betonung, die ich bereits aus Hörbüchern kenne und die ich beim stillen Lesen seiner Geschichten nachzuahmen versuche. Ich finde, ich mache das ganz gut, für mich bin ich ein guter Goldt-Imitator, andere können dies freilich nicht beurteilen, mache ich es doch unbemerkt, so wie man als junges Mädchen vor einem Spiegel „Like a Virgin“ von Madonna „Toxic“ von Britney Spears singt und tanzt, wenn man sich allein im Haus wähnt.

Im bestuhlten Raum im Obergeschoß des Speichers hatte ein Husumer Buchhändler einige Bücher und CDs von Max Goldt ausgelegt, unter anderen natürlich auch das jüngste Werk, „Vom Zauber des seitlich dran Vorbeigehens“, aus dem Max Goldt einige Geschichten lesen sollte, sowie eine bisher unveröffentlichte Geschichte, deren Name mir entfallen ist, die davon handelt, wann ein Telefonklingeln störend ist (z. B. wenn man gerade nur mit einer Unterhose bekleidet auf der Hotelbettkante sitzt und Hustentropfen auf einen beim Frühstück entwendeten Teelöffel abzählt), sowie von Weiterleiter- und Weiterreiterei. Alle Geschichten sind herrlich goldtesque und trafen meinen Geschmack. Vor der Zugabe erzählte Max Goldt, dass er ja nun in 6 Jahren die dritte Lesung in Husum machen würde, immer Anfang März, doch immer mit unterschiedlichen meteorologischen Gegebenheiten. Der erste Besuch war bei frühlinghaften Temperaturen und wunderschöner Krokusblüte, der Zweite war bei nassem und matschigem Wetter, die Krokusse sahen überhaupt nicht schön aus. Gestern schließlich war alles weiß und die Krokusse waren überhaupt nicht zu sehen.

Es wird nicht die letzte Goldt-Lesung gewesen sein und ich werde mir seine Bücher mal wieder vornehmen.

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