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Dänemark: 95% der Musik ist illegal?

Ein Beispiel für (fast) erfolgreiche Lobbyarbeit aus Dänemark: Die dortige Handelsministerin Pia Olsen Dyhr ging mit falschen Zahlen der Musik-Lobby hausieren, um damit die Notwendigkeit von ACTA zu rechtfertigen, wie Netzpolitik.org berichtet. 95% der im dänischen Internet heruntergeladenen oder gestreamten Musikstücke würden aus illegalen Angeboten stammen.

In der investigativen dänischen Fernsehsendung „Detektor“ wurde dieser Fall publik gemacht und der Zahl auf den Grund gegangen. (Das Video ist mit deutschen Untertiteln versehen.)

Fakt ist, dass die Zahl „95%“ vor 3 bis 4 Jahren ermittelt wurde und die globale Situation widerspiegelt, zudem noch vor dem Durchbruch von z. B. Spotify. Für Dänemark konnte im November 2010 von der KODA, dem dänischen Pendant zur GEMA, nur die Zahl erhoben werden, dass die Hälfte der Musikdownloads bezahlt wurden – was allerdings nicht den Umkehrschluß zuläßt, dass die andere Hälfte illegal sei, wie auch Pia Olsen Dyhr am Ende der Reportage zugab.

Das erinnert mich sehr an Ursula von der Leyen, die in der damaligen Debatte um das Zugangserschwerungsgesetz (ZugErschwG) ebenfalls versuchte, falsche Fakten durch ständiges Wiederholen wahr werden zu lassen.

Die Kinderporno-Strategie der Rechteverwerter

Wir haben es im letzten Jahr erlebt, wann immer die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen aka Zensursula die Kinderporno-Keule schwang, herrschte nur noch betretenes Schweigen und absolute Zustimmung. Ja, Kinderpornographie ist ein schlimmes Verbrechen. Ja, das Internet ist Kinderpornographie. Ja, jeder ist nur 2 Klicks von der nächsten KiPo-Seite entfernt. Ja, Kinderpornographie birgt ein Sucht-Potential. Da muß man einfach ein Filtersystem entwickeln, um den Zugang zu diese Inhalte zu erschweren.

Diese Strategie ist allerdings nicht auf ihrem Mist gewachsen, sondern bereits 2007 in den Think Tanks der Rechteverwerter, wie der schwedische Europaparlamentarier der Piratenpartei, Christian Engström, gestern in seinem Blog veröffentlichte:

”Child pornography is great,” the speaker at the podium declared enthusiastically. ”It is great because politicians understand child pornography. By playing that card, we can get them to act, and start blocking sites. And once they have done that, we can get them to start blocking file sharing sites”. […] ”One day we will have a giant filter that we develop in close cooperation with IFPI and MPA. We continuously monitor the child porn on the net, to show the politicians that filtering works. Child porn is an issue they understand,” Johan Schlüter said with a grin, his whole being radiating pride and enthusiasm from the podium.

Bringen sie mir einen Eimer, ich muß kotzen!

(via Netzpolitik.org)