Macclesfield liegt nicht in Schweden

Welcher Tag wäre besser geeignet, eine Band zu entdecken, die das Vermächtnis von Ian Curtis pflegt, als sein 59. Geburtstag? Und A Projection aus Stockholm tut dies so gut und manchmal auch so dreist, dass ich die Band spontan ins Herz geschlossen habe. Gleich im Opener und Titelstück des Albums Exit klingt Insight von Joy Division mit. Allerdings fügen sie eine poppige Komponente hinzu, die die düsteren Stimmungen des Albums immer wieder auflockern. Präzise Drums und treibende Basslinien sorgen für tanzbare Rhythmen. Post-Punk-Fans werden ihre Freude haben, ganz gleich ob sie mehr zu Joy Division und The Chameleons tendieren oder zu Interpol und Editors.

2013 wurde die Band von 6 jungen Männer gegründet: Isak Eriksson (Gesang), Amos Pagin (Gitarre), Charles Karjalainen (Gitarre und Background Vocals), Linus Högstadius (Synthesizer und Background Vocals), Rikard Tengvall (Bass und Backgrund Vocals) und Jesper Lönn (Drums). Das Debütalbum Exit erschien am 24.04.2015 und einen Monat später waren die Schweden sogar schon in Deutschland live zu sehen, ihrem Hamburger Label Tapete Records sei dank. Schade, dass ich sie in erst jetzt kennengelernt habe und so das Konzert im Hamburger Hafenklang am 25.05.2015 leider verpassen musste. Und auch ihr Leute aus den Regionen Berlin, Bielefeld, Essen, Landau, Freiburg und Wolfsburg dürft euch ärgern, denn von allen Konzerten liest man nur gute Kritiken.

Zwei weitere Termine im Herbst stehen jedoch schon fest:

28.10.15 Kiel, Schaubude
30.10.15 Hameln, Autumn Moon Festival

Zum Abschluss noch das offizielle Video von A Projection zur ersten Single Young Days:

A Projection im Netz: Facebook | Instagram | Soundcloud | Twitter

Neue EP von Atombomb

Kurz mal die Durchsage, dass Atombomb, die Indie-Popper aus Göteborg, die ich euch am 29.05.2015 vorgestellt hatte, ihre selbstbetitelte EP veröffentlicht haben. Enthalten sind neben der bereits am 20.05.2015 erschienenen Single „Love And Death“ vier weitere Stücke.

Die EP steht unter der Lizenz CC by-nc-sa und ist als konstenloser Download („Name your price“) sowie als limitierte Musikkassette erhältlich.

Atombomb im Netz: Bandcamp | Facebook | Instagram | Soundcloud | Spotify

Free-Music-Friday: Horror Vacui

Das Emperium ist zurück – zumindest nach dem Titel des letzten Albums von Horror Vacui. Return of Empire erschien bereits am 26.10.2014 und ist der Nachfolger des Debütwerkes In Darkness You Will Feel Alright aus dem Jahr 2012. Die fünf Musiker aus Bologna (Italien) bezeichnen ihre Musik selbst als „Punker than dark, darker than punk“ und trifft es damit recht gut. Die Wurzeln reichen bis in die 1980er Jahre zurück, als sich aus dem Punk der sogenannte Post-Punk entwickelte und in unterschiedlichen Gestalten daher kam. Death Rock, Gothic Rock, New Wave fließen bei Horror Vacui in die Songs ein.

Return of Empire gibt es zur Zeit als kostenlosen Download oder gegen einen selbst wählbaren Betrag. In Darkness You Will Feel Alright sowie die ebenfalls 2012 erschienene Single Can You Still See Reality? haben einen Mindestpreis von 1 Euro. Alle drei Veröffentlichungen stehen unter der Lizenz CC by-nc-nd.

Horror Vacui im Netz: Bandcamp | Facebook | Last.fm | Reverbnation | Soundcloud

16 tofu sausages

Warum machen Veganer Fleischprodukte nach?

Gestern war ich beim Vegan Summer in Eckernförde. Es dauerte nicht lange, bis ich eine Aussage hören musste, mit der ich schon häufiger online wie offline konfrontiert wurde und die ein in omnivoren Augen recht großer Kritikpunkt am Veganismus zu sein scheint. Ich hatte mich gerade in die lange Schlange am veganen Döner-Stand eingereiht, da hörte ich auch schon, wie sich das vermutlich nicht vegane Paar (ich finde es grundsätzlich toll, wenn sich Fleischesser für vegane Ernährung interessieren und auch für Solche sind Veranstaltungen wie der Vegan Summer gemacht) hinter mir darüber unterhielt, was denn wohl außer Salat noch in einem veganen Döner drin sei. Der Mann brachte dann das Killerargument (sic!), er könne nicht verstehen, warum Veganer und Vegetarier Tierprodukte imitieren müssen. Wenn man kein Fleisch möge, dann müsse man ja auch keine Ersatzprodukte essen.

Aber da liegt der Denkfehler vieler Omnivoren: Viele Veganer mögen den Geschmack der mit tierischen Produkten hergestellten Gerichte durchaus, sei es nun Bolognese-Sauce, Curry-Wurst oder Gyros. Die wenigstens Veganer sind schließlich vegan geboren oder aufgewachsen. Ich kann mich z. B. gut an den Geschmack eines halben Hähnchens, einer gebratenen Leber, Speck in den Bratkartoffeln oder Zwiebelmett erinnern, obwohl ich das alles seit mindestens 18 Jahren nicht mehr gegessen habe. Aber ich möchte eben nicht, dass wegen des guten Geschmacks, der häufig doch nur durch die verwendeten Gewürze entsteht, empfindungsfähige Lebewesen zu Schaden kommen.

Das ist der ganze Punkt, es ist nicht der Geschmack, der einen Veganer davon abhält, tierische Produkte zu konsumieren, sondern genau das, was Fleischesser leider verdrängen, nämlich der „Herstellungsprozess“ von Fleisch, Milch, Käse und Eiern sowie das damit verbundene Leid, das den Tieren – und nicht nur denen – angetan wird. Wie weit man bei der Veganisierung seiner Lieblingsgerichte gehen will, ist jedem selbst überlassen. Bei mir stehen vegane Bolognese-Sauce, Rührtofu oder verschiedene Bratlinge und Würstchen häufiger auf dem Speiseplan. (Wie gut so veganen Alternativen sein können, hatte z. B. der bekannte Fernsehkoch Christian Rach 2014 in einer seiner Sendungen bewiesen.)

Ich kann die Frage „Warum machen Veganer Fleischprodukte nach?“ also genauso beantworten wie auch viele Omnivoren ihren Fleischkonsum begründen: Weil’s halt so lecker ist.

Der vegane YouTuber Der Artgenosse hat diesem Thema auch eines seiner sehr informativen Videos gewidmet:

(Das Beitragsbild „16 tofu sausages“ von Jason Lam steht unter der Creative Commons Lizenz BY SA.)