Medlock gefunden

Es ist vorbei. DSDS4 ist zuende. Dabei geht die nervige Zeit jetzt erst richtig los, denn für einige Wochen wird Mark Leon Medlock, der Lionel-Richie-Imitator mit der bewegenden bewegten Lebensgeschichte (Eltern früh verloren, kein Job, Hartz IV, Gewalt in der Ehe…), auf allen Kanälen präsent sein, bis er dann in 18 Monaten bei Baumarkt-Neueröffnungen in der Lausitz oder beim Schützenfest in Rheda-Wiedenbrück auftritt.

Ich finde das Format eigentlich nicht schlecht, böse Menschen haben schließlich keine Lieder, also lassen wir doch die jungen Leute sich im Sängerwettstreit messen. Aber „Superstar“, wie es der Titel verspricht, wird auch Medlock nicht, auch wenn er seine Gesangskarriere als letzte Chance sieht, sein Leben in den Griff zu bekommen. Sicher wird ihm Dieter Bohlen, der eigentliche Gewinner bei DSDS, seinem Bobbelsche ein paar Euros abgeben, aber selbst Duracell-Hasen halten länger durch als die Karrieren der „RTL-Superstars“. Sobald das zweite Album floppt, oder vielleicht sogar schon die zweite Single, ist es vorbei mit dem Ruhm und der Weg führt ihn in die Lausitz oder nach Rheda-Wiedenbrück.

Negativ finde ich die Abstimmungen per Telefon für 50 Cent pro Anruf, was manchmal seltsame Blüten treibt. Selbst Dieter Bohlen hält davon eigentlich nichts, denn die 8- oder 9-jährigen Mädchen würden sich ja an ihren Handys für Martin Stosch die Finger wund wählen, wie er bei Stern TV sagte. Als ob die soviel Prepaid-Guthaben hätten, aber das ist eine andere Geschichte. Ich würde es auch reeller finden, wenn die Jury bis zuletzt die Entscheidungshoheit hätte. Dann könnte man aber den Kids nicht 9life-mäßig das Geld aus der Tasche ziehen.

Bei der 4. Auflage von DSDS fehlte der Trash-Faktor in den Motto-Shows. Ich glaube zwar, dass Mark Medlock eine fast gelungene Mischung aus Daniel Küblböck und Lorenzo darstellt, aber dafür singt er dann doch zu gut. Also holte man flugs die Trash-Kandidaten „Ich hab die Haare schön“ Johanna und den wohl schlechtesten Michael-Jackson-Imitator auf der Welt Menderes Bagci als Rahmenprogramm, damit der Voyeurismus der Zuschauer – die meisten sehen DSDS ja am Liebsten, wenn sich die Kandidaten so richtig zum Affen machen – befriedigt wurde. Ist halt Unterschichtenfernsehen.

Wie auch immer die Karriere der ehemaligen DSDS-Kandidaten verläuft, eines ist sicher: DSDS5 kommt bestimmt.

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