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Zeitungsverlag fühlt sich an den Pranger gestellt

shz-piratenleuchten
(Originalfoto: Torsten Krahn)

Der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (sh:z) fühlt sich von der Piratenpartei an den digitalen Pranger gestellt. Es geht um das Ignorieren der Piratenpartei und der Freien Wähler vor der Landtagswahl im September 2009. Seinerzeit gab es auch eine gemeinsame Pressemitteilung.

Nun hat der sh:z dieses Thema noch einmal aufgegriffen und sieht sich völlig zu Unrecht der Stallorder und Zensur bezichtigt:

Ausgangspunkt der plebiszitären Internet-Empörung war die Berichterstattung zur Landtags- und Bundestagswahl. Unsere Redaktion verfuhr wie praktisch alle anderen Medien auch. Keine Partei – bis auf die links- und rechtsextremistischen – wurde von der Wahlkampf-Berichterstattung ausgenommen. Auf den Lokalseiten der einzelnen Ausgaben wurden einzelne Kandidaten vorgestellt, wurde über deren Programme oder Aktionen berichtet. Dabei wurden die Freien Wähler selbstverständlich ebenso wenig ausgeklammert wie die Piratenpartei.

Der sh:z regt dann auch an, „per E-Paper oder durch eine Suche auf dem Internetportal shz.de“ nachzuprüfen, ob das stimmt. Nun, das kann ich viel einfacher machen, ich habe nämlich als Direktkandidat der Piratenpartei zur Landtagswahl im Wahlkreis 7 keine einzige Anfrage der Schleswiger Nachrichten erhalten, weder in Form eines Fragebogens, noch als Interviewanfrage. Wie also die „einzelnen Kandidaten“, die in den „einzelnen Ausgaben“ vorgestellt wurden, ausgewählt wurden, bleibt ein Verlags-Interna.

Wer auf shz.de übrigens nach „Michael Schmidt Piratenpartei“ sucht, der erhält übrigens die Rückmeldung „Leider keine Treffer“. Beim sh:z vergißt sogar das Internet. šŸ˜‰

Zuerst ignorieren sie dich…

Heute morgen schlage ich unsere Zeitung auf, die Schleswiger Nachrichten, und entdecke im Lokalteil die Rubrik „Fragen an die Landtagskandidaten“, heute mit Jan Hundsdorfer vom Südschleswigschen Wählerverband (SSW). Prima, denke ich in meiner ersten Begeisterung, dann bekomme ich als Direktkandidat der Piratenpartei im Wahlkreis 7 (Schleswig) ja sicher auch bald eine Anfrage des sh:z und kann mich, wenn auch erst kurz vor Toresschluß meinen potentiellen Wählern vorstellen.

Nachmittags erreicht mich dann über Twitter eine Pressemitteilung der Piratenpartei Schleswig-Holstein und der Freien Wähler Schleswig-Holstein, in der von einer „Stallorder“ der Chefredaktion die Rede ist, welche verhindert, dass sämtliche dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) gehörenden 14 Tageszeitungen, also auch die Schleswiger Nachrichten, über die Freien Wähler und die Piratenpartei berichten dürfen.

Und tatsächlich: Bei nochmaliger genauerer Betrachtung lautet der erste Absatz der Landtagskandidatenvorstellung:

Mit einem Fragebogen stellt unsere Zeitung die Direktkandidaten von CDU, SPD, FDP, Grünen, SSW und Linken im Landtagswahlkreis 6 (Schleswig-Nord) für die Landtagswahl am 27. September vor.

OK, die Lokalredaktion interessiert sich also nur für die Parteien, die im Landtag vertreten sind und für die Linke, weil sie vermutlich am 27.09. mehr als 5% schafft (das traut man uns wohl nicht zu). Die andere Frage lautet, warum die Schleswiger Nachrichten nicht auch die Landtagskandidaten aus dem Wahlkreis 7, zu dem auch die Stadt Schleswig zählt, vorstellt? Oder war das schon, oder kommt das noch?

Dieses Vorgehen des sh:z zeigt leider sehr deutlich, dass die Piratenpartei noch immer zu den „Sonstigen“ gehört, obwohl wir im Internet längst mit den Großen spielen, zum Beispiel in der Wahlzentrale bei StudiVZ/MeinVZ, wo wir nicht nur die mit Abstand meisten Anhänger haben, sondern auch bei den Sonntagsfragen regelmäßig vordere Plätze erreichen. Das konnten die „offiziellen“ Sonntagsfragen bei ARD und ZDF bisher nicht bestätigen.

Die mittlerweile erfolgte offizielle Stellungnahme des sh:z erwähnt übrigens weder die Freien Wähler, noch die Piratenpartei, die ja mit ihrer gemeinsamen Pressemitteilung die „Irritationen über die Wahlberichterstattung des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (sh:z) zur Landtagswahl“, wie der Verlag es formuliert, erst aufgebracht hatten, was ebenfalls nicht so dargestellt wird. Besonders kurios finde ich diesen Absatz:

Nicht die Wünsche der Kandidaten und Parteien, möglichst oft in der Zeitung zu stehen, gilt es zu befriedigen, sondern das Interesse der Wähler, sich ein eigenes Urteil bilden zu können.

Es geht ja nicht darum, jeden Direktkandidaten auf Schritt und Tritt zu begleiten oder tägliche Home-Stories zu bringen, aber dass man alle Kandidaten zumindest kurz vorstellt, wie in Form des Fragebogens, trägt doch letztlich zur Meinungsbildung der Wähler bei.

Naja, ich bin ja noch zweimal, morgen (9 bis 13 Uhr) und den Samstag vor der Wahl (open end), in der Schleswiger Ladenstrasse (Stadtweg vor Hertie) anzutreffen, da kann sich dann jeder Wähler sein eigenes Urteil bilden.

Gemäß dem Gandhi-Zitat „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ stehen wir also beim sh:z noch ganz am Anfang.

Ist die Unterschriftenliste gegen den Schleswiger Bürgermeister halbvoll oder halbleer?

Gestern erschien ein Artikel in den Schleswiger Nachrichten, der mal wieder die Unterschriftensammlung für die Abwahl des Schleswiger Bürgermeisters Thorsten Dahl zum Inhalt hatte. Aufhänger war die Tatsache, dass die Initiatoren bereits die Hälfte der 3.991 benötigten Unterschriften gesammelt hätten.

Dieser Artikel hat meinem Blog gestern auch einige Besucher beschert, die nach dem Namen des Initiators „Karsten Lietz“ im Internet gesucht hatten. Wer sich erhofft, eine Kampagnenseite mit harten Fakten gegen den Bürgermeister, so in der Art „10 Gründe, warum Thorsten Dahl weg muß!“ zu finden, der wird enttäuscht. Auf der Webseite, die Herr Lietz ins Internet gestellt hat, sind keine Informationen über seine Aktion zu finden. Man kann lediglich ein PDF herunterladen, mit dem man auf Unterschriftenfang gehen kann (Mathias hatte dazu auch schon was geschrieben).

In Schleswig gibt es also einen Kampf zwischen den Tot-Holz-Medien „Schleswiger Nachrichten“ und „Moin Moin“ auf der einen Seite und dem internetaffinen Thorsten Dahl, der seine Internetseiten als Plattform nutzt, die sich ständig wiederholenden Argumente des Herrn Lietz (wahrscheinlich sind es nicht mal 10 Gründe…) nimmermüde zu entkräften, so geht er auch auf den gestrigen Artikel ein. Aber wahrscheinlich haben die Zeitungen eine größere Reichweite als die Webseite des Bürgermeisters, zumal auch shz und Moin Moin im Internet präsent sind. Die Kommentare zum jüngsten SN-Artikel fallen aber allesamt Pro-Dahl aus. Da sind die Dahl-Gegner wohl doch eher offline in der Schleswiger Ladenstraße zu finden, wo „neun von zehn Passanten, die wir antreffen“, dafür sind, wie Lietz den Schleswiger Nachrichten mitteilte.

Meine Meinung ist immer noch, laßt den Bürgermeister in Ruhe arbeiten, ich habe bisher noch kein Argument gegen ihn gelesen, das Thorsten Dahl nicht nachvollziehbar entkräftet hat. Ich werde mir spaßeshalber am Samstag mal den Infostand von Herrn Lietz auf dem Wochenmarkt ansehen, vielleicht gibt es da handfeste Fakten. Ich werde berichten…

Schleswigs Bürgermeister wehrt sich gegen Onlinekommentare auf shz.de

Thorsten Dahl hat meinen Beitrag über die neueste Kampagne gegen ihn auf seinen Internetseiten verlinkt, übrigens auch Mathias und „WüstenflohGerd Tams. Vielen Dank dafür.

Außerdem wehrt er sich gegen Online-Kommentare, die ihm unterstellen, die Online-Umfrage auf den Internetseiten des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (sh:z) selbst manipuliert zu haben:

Ich habe am gestrigen Tag Strafantrag gegen den verantwortlichen SHZ-Redakteur erstattet, der zuließ, dass meiner Meinung nach Verleumdungen gegen mich auf den Internetseiten des SHZ veröffentlicht wurden. Unter anderem wurde behauptet, ich hätte Online-Manipulierer bezahlt bzw selbst manipuliert. Da entspricht nicht den Tatsachen. Auch weitere Punkte hätten von den Online-Redakteuren geprüft werden müssen. Dies erfolgte offenbar nicht. Da auf den Onlineseiten des SHZ auch Beiträge unter Pseudonym veröffentlicht wurden, ist somit der Seitenbetreiber – also der SHZ – für den kompletten Inhalt seiner Seiten verantwortlich. Der SHZ moderiert diese Seiten. Dem SHZ sind die Namen der entsprechenden Kommentatoren bekannt.

Tja, die nächste Lehrstunde für den sh:z in Sachen Internettechnologie. Der Verlag weiß jetzt also nicht nur, dass man bei Online-Umfragen ohne IP-Sperre mehrfach abstimmen kann, sondern auch etwas, das uns Bloggern („Blogger sind keine Journalisten“) schon lange klar ist, nämlich, dass man für Kommentare auf seinen Internetseiten verantwortlich gemacht werden kann.

Ich finde es erschreckend, dass diese Online-Umfrage so wichtig genommen wird, dass Menschen davon ausgehen, Thorsten Dahl hätte selbst oder durch Dritte das Umfrage-Ergebnis zu seinen Gunsten beeinflußt. Und wenn? Der sh:z hätte vielmehr einsehen sollen, dass so ein Voting nicht repräsentativ sein kann, aber durch die „Manipulationsvorwürfe“ gegen irgendwelche Internetnutzer haben die Online-Redakteure einen prima Nährboden für irgendwelche Internetnutzer bereitet, die den Bürgermeister dahinter vermuten. Er ist eben als internetaffin bekannt. Ob das im Sinne des sh:z ist?

Gerd Tams hat online übrigens etwas geschaffen, was im „Real-Life“ noch nicht möglich war: ein Zusammentreffen der Herren Lietz und Dahl. Gerd hat das Interview der Schleswiger Nachrichten mit Herrn Lietz vom 21.11.2008 um die Antworten des Bürgermeisters zu den Anschuldigungen erweitert, die dieser auf seinen Internetseiten gegeben hat. Das sollte sich jeder Schleswiger Bürger durchgelesen haben, bevor er seine Unterschrift für die Abwahl unseres Bürgermeisters hergibt.

Und nun bin ich gespannt, wie es weiter geht, heute gibt es noch keinen neuen Artikel in den Schleswiger Nachrichten, vermutlich arbeitet die Stadtredaktion am Wochenende nicht…