Monat: März 2012

Dänemark: 95% der Musik ist illegal?

Ein Beispiel für (fast) erfolgreiche Lobbyarbeit aus Dänemark: Die dortige Handelsministerin Pia Olsen Dyhr ging mit falschen Zahlen der Musik-Lobby hausieren, um damit die Notwendigkeit von ACTA zu rechtfertigen, wie Netzpolitik.org berichtet. 95% der im dänischen Internet heruntergeladenen oder gestreamten Musikstücke würden aus illegalen Angeboten stammen.

In der investigativen dänischen Fernsehsendung „Detektor“ wurde dieser Fall publik gemacht und der Zahl auf den Grund gegangen. (Das Video ist mit deutschen Untertiteln versehen.)

Fakt ist, dass die Zahl „95%“ vor 3 bis 4 Jahren ermittelt wurde und die globale Situation widerspiegelt, zudem noch vor dem Durchbruch von z. B. Spotify. Für Dänemark konnte im November 2010 von der KODA, dem dänischen Pendant zur GEMA, nur die Zahl erhoben werden, dass die Hälfte der Musikdownloads bezahlt wurden – was allerdings nicht den Umkehrschluß zuläßt, dass die andere Hälfte illegal sei, wie auch Pia Olsen Dyhr am Ende der Reportage zugab.

Das erinnert mich sehr an Ursula von der Leyen, die in der damaligen Debatte um das Zugangserschwerungsgesetz (ZugErschwG) ebenfalls versuchte, falsche Fakten durch ständiges Wiederholen wahr werden zu lassen.

Rusconi Revolution – von Sony zu Indie

(Nicht nur) In diesem Monat lohnt ein Blick auf das „Album des Monats“ bei den Musikpiraten, dort bzw. in einem dort eingebundenen Video erklären die 3 Musiker der schweizer Jazz-Rock-Band Rusconi, immerhin Echo-Gewinner 2011, warum sie sich von ihrem Major-Label Sony getrennt haben und ihr Album „Revolution“ nicht nur in Eigenregie herausgebracht haben, sondern auch kostenlos zum Download anbieten.

DirektLink

CDs gibt es dagegen nur bei den Konzerten von Rusconi zu kaufen:

22.03.12 – Wiesbaden, Schlachthof
24.03.12 – Karlsruhe, Tempel
28.03.12 – Berlin, HBC
29.03.12 – Hamburg, Kampnagel
30.03.12 – Bremen, Kito

Ein Interview zum Album hat Mario Keipert von Musik am Montag mit Stefan Rusconi geführt.