Eurovision Song Contest 2007


Foto: frech

Der Eurovision Song Contest (ESC) scheint sich zu einer religiösen Veranstaltung zu entwickeln. Im letzten Jahr gewann ein „Hardrock Halleluja“, in diesem Jahr ein „Gebet“. Ich bin schon auf 2008 gespannt.

2007 war das Jahr der osteuropäischen Teilnehmer, das zeigte sich ja bereits im Halbfinale, als z. B. die Schweiz, Österreich, Norwegen, Dänemark, Belgien, Niederlande und Portugal scheiterten. Allerdings schafften es mit Kroatien, Polen, Estland und Montenegro auch einige Osteuropäer nicht in das große Finale.

Kein Wunder also, dass schnell die Rede von einer Ost-Connection oder „Stimmen-Mafia aus dem Osten“ („Bild“-Zeitung) war. In einem sehr lesenswerten Beitrag entkräftet das Bildblog allerdings dieses Märchen. Die „Lesbe“ und die „Transe“ (beide Zitate Thomas Hermanns) wären auch auf den ersten beiden Plätzen gelandet, wenn nur die westlichen oder westlich orientierten Länder abgestimmt hätten. Interessant, oder?

Warum aber liegt der beste westeuropäische Beitrag, Hanna Pakarinen aus Finnland mit „Leave me alone“, nur auf Platz 17? Meine beiden SMSe für die schöne düstere Rocknummer haben immerhin zu einen Punkt von Deutschland nach Finnland gereicht.  Das ich mit meinem Musikgeschmack nicht repräsentativ für Deutschland oder Europa bin, wußte ich vorher auch schon. Und das ist gut so! Einige Künstler aus Osteuropa sollen über die Grenzen ihrer Heimat hinaus bekannt sein. Das war bei Roger Cicero und vielen anderen nicht der Fall. Das sollte geändert werden. Wenn wir es nicht schaffen, unsere besten Künstler zum ESC zu schicken, haben wir es auch nicht verdient, unter die ersten 10 zu kommen. Roger Cicero ist sowieso nicht mein Fall, aber ich bin ja nicht repräsentativ. Seinen Auftritt fand ich im Gegensatz zur landläufigen Meinung überhaupt nicht gut. Das Lied war langweilig vorgetragen, Herr Cicero wirkte auf mich unmotiviert und seinen Gesang fand ich nuschelig. Gut, den Text versteht sowieso niemand, aber auch ich hatte meine Schwierigkeiten.

Eine Regeländerung, wie von einigen gefordert wird, könnte dahin gehen, dass nur Lieder, die vorher nicht veröffentlicht wurden, von Künstlern präsentiert werden, die vorher nichts veröffentlicht haben. Dann würde zumindest jeder mit den gleichen Voraussetzungen an den Start gehen. Wenn es dann noch bei der Punktevergabe Nachbarschaftshilfe gibt, dann ist das eben so. Das kennen wir doch schon lange z. B. von den Skandinaviern.

Ich würde es aber besser finden, wenn man nächstes Mal nicht singen kann: „In Europa kennt euch keine Sau!“. Muß ja nicht gleich Tokio Hotel oder Miami Vice sein.

Zum Schluß noch ein Absatz über das Vereinigte Königreich. Was war denn das bitte? Ein Land, das die Beatles, Ska, Punk, New Wave und Brit-Pop hervorgebracht hat, zu dessen Töchtern und Söhne einige der genialsten Musiker aller Zeiten gehören, kommt mit so einer Scheiße an? Das war peinlich, aber noch peinlicher war der Auftritt der Iren, deren Sängerin leider völlig daneben lag und die zurecht auf dem letzten Platz landeten.

  • brotkrumenspur

    Ach, England war doch herrlich. Ich liebe es, wenn GB abkackt, weil ich dann gleich bei www.thesun.co.uk die schlimmsten Vorwürfe, Beschimpfungen, Hochnäsigkeiten nachlesen kann. In diesem Jahr war es dort seltsam still. Vielleicht ist nach so vielen Niederlagen selbst in der Yellowpress frustierte Ruhe eingekehrt.

  • Micha

    Wird Zeit, dass alle Beiträge in ein Halbfinale müssen, dann bleiben wir bald von solchen komischen Beiträgen verschont. :-P

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