Free-Music-Friday: Botany Bay

Ich möchte hier im Blog eine neue wiederkehrende Serie starten, zufälligerweise wie „Thank Goth It’s Friday!“ auch freitags: Den „Free Music Friday„.

Die Idee entstand, als ich an einem vergangenen Freitag bei blip.fm nur freie Musik gepostet habe und die Blips mit „#freemusicfriday“ markierte. Ich werde in dieser ersten Ausgabe ein wenig ausholen, damit jeder weiß, was mit „Free Music“ gemeint ist. (Wem das nicht neu ist, kann gleich zum Musiktipp der Woche springen.)

Als „Free Music“ oder „Open Music“ bezeichnet man im Allgemeinen Musik, die unter einer „Creative Commons„-Lizenz veröffentlicht wurde. „by-nc-nd“ ist eine verbreitete Lizenz, sie steht für „Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung“ und hat den Effekt, dass diese Werke nicht nur kostenlos heruntergeladen werden können, sondern dass auch die Weitergabe unter bestimmten Bedingungen erlaubt ist. Dadurch kann eine Band ihren Bekanntheitsgrad steigern und so an Konzerte kommen, die gut besucht sind und über die Tickets und Verkauf von Merchandising-Artikel, z. B. CDs, Geld in die Bandkasse spülen.

Das ist natürlich graue Theorie, aber der klassische Weg, dass eine unbekannte Band von einer Plattenfirma unter Vertrag genommen wird, ist von jeher sehr steinig und auch kein Garant dafür, von seiner Musik leben zu können. Dank der modernen Technik ist es aber auch viel einfacher geworden, seine Musik selbst zu produzieren und zu vermarkten, als „Nebenerwerbs-Musiker“ braucht man keinen Verlag und kein Label. Wobei, Labels gibt es auch in der CC-Welt, z. B. afmusic und aaahh-records. Diese Netlabels haben sich zur Aufgabe gemacht, unbekannte Künstler zu fördern und ihre Musik zu verbreiten, afmusic hat dazu sogar mit darkerradio ein Netradio zur Seite stehen. Dort werden auch monatlich die „Free Music Charts“ nach Hörervoting zusammengestellt und an jedem 3. Montag im Monat in einer Sendung vorgestellt, die auch nachträglich noch als Podcast zur Verfügung steht.

Das soll erstmal als Einleitung genügen, wichtig ist für Konsumenten, ihr könnt euch bei Jamendo oder Bandcamp CC-Musik kostenlos herunterladen und auch gefahrlos weitergeben, aber denkt bitte auch an die Künstler und geht zu deren Konzerten oder spendet einen angemessenen Betrag, wenn euch ein Album so richtig vom Stuhl reißt. In dem Fall könnt ihr auch eine CD kaufen, wenn das angeboten wird. Für Musiker ist wichtig, ihr könnt eure Musik in der CC-Community bekannt machen und wer sich eure Musik kostenlos heruntergeladen hat, der kauft vielleicht auch eine CD, weil er das schöner findet oder besucht ein Konzert von euch. Es gibt mittlerweile auch eine Reihe von Veranstaltungen für CC-Musik, wie etwa Cologne Commons oder Open Music Contest. Auch aus der Piratenpartei hat sich ein Verein gegründet, der freie Musik fördern will, die Musikpiraten. Dort findet ihr auch weitere Informationen zum Thema. Ich werde in dieser Reihe jede Woche eine Band vorstellen, die ihre Musik unter einer CC-Lizenz herausgebracht hat, in der Hoffnung, zur Popularität dieser Bands beitragen zu können. Den Anfang macht:

Botany Bay

Botany Bay habe ich im August 2009 kennengelernt, als Stephan Kleinert (Instrumente und Gesang) und Laura Dietrich (Gesang und Keyboards) mit ihrer Single „Old Men With Ballpoint Pens“ eine Wahlempfehlung für die Piratenpartei aussprachen. (Das Lied ist ja mittlerweile wieder aktuell geworden.) Da hatten sie schon das Album „Grounded“ (2007) und die EP „I’ll Send A Postcard When I’m There“ (2009) veröffentlicht. Ihre Musik wird als Welt-Musik, gepaart mit experimentellem Pop und Rock, garniert mit klassischen Elementen, beschrieben. Auf jeden Fall sehr vielschichtig und abwechslungsreich.

Mit der Single „Voices“ haben Botany Bay erfolgreich am letztjährigen Free Music Contest teilgenommen

DirektVoices

Leider hat die herausragende Stimme von Laura Dietrich die Band Ende 2009 verlassen, sie wandelt jetzt als Laura Dee auf Solo-Pfaden. Das bereits vorhandene Material haben Botany Bay Anfang März 2010 als EP „Stupid Summer Dreams“ veröffentlicht ein würdiger Abschluß der Ära „Stephan und Laura“, mein Favorit ist das treibende „Death In The Afternoon“.

<a href="http://botanybay.bandcamp.com/album/stupid-summer-dreams">Death In The Afternoon by Botany Bay</a>

Stephan wird im Frühjahr eine neue Sängerin präsentieren, ein neues Album ist für 2011 geplant.

Da Musik machen ein teures Hobby ist, das weiß ich aus eigener Erfahrung, spendet bitte Geld an Botany Bay und andere Bands, die euch gefallen, oder kauft die CDs oder T-Shirts:

ist heute als Fanboy von @botanybaymusic unterwegs, denn es i... on Twitpic

Gerade Botany Bay haben mit der Zahlungsmoral der Hörer schlechte Erfahrungen gemacht, wie Stephan im Interview mit den Musikpiraten berichtete:

„Nach zwei Jahren und über 20.000 Downloads haben wir genau 10 Euro an Spenden eingenommen, und zwar von ganz genau einer einzigen Person.“

Man mag sich gar nicht vorstellen, jeder 2. Downloader hätte nur einen Euro gespendet oder jeder 10. den üblichen Albumpreis.

Ãœbrigens sind Botany Bay unter den Neuvorstellungen für die Free Music Charts auf darkerradio vertreten, der Song „Take Cover“ kann noch bis zum 19.04.2010 in die April-Charts gewählt werden.

Botany Bay im Web:

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  • andreas

    Botany Bay ist ne feine Sache. Wegen den 10 Euro. Ich kenn schon mal zwei Leute die Botany Bay Musik käuflich erworben haben. Macht über 10 Euro. Das waren aber auch keine Spenden. ; )

  • Daniel

    Na das ist doch immer so. Alles was kostenlos wird auch kostenlos genutz. Mich würde interressieren ob Wikipedia (haben auch ein Spendenkonto) auch keinen Lohn für Arbeit bekommen?

  • Petter

    Mittlerweile (?) gibt es auf Bandcamp ja recht aufschlussreiche Statistiken. Das Verhältnis von Downloads zu Zahlungen liegt insgesamt bei 8,4%. Bei Alben mit Preisvorschlägen geben diejenigen, die bezahlen, im Durchschnitt etwa 50% mehr als den angegebenen Preis. Nur weil Band X leider keinen Erfolg hat, würde ich nicht das Konzept für gescheitert erklären oder unterstellen, dass "[a]lles was kostenlos [angeboten] wird[,] auch kostenlos genutz[t] [wird]". Ich gebe Künstlern Geld, wenn ich sie unterstützen möchte und vermute, das werden die meisten tun, die finanziell nicht gerade am Existenzminimum leben und außerdem weiter als um die nächste Ecke zu denken vermögen.

  • Petter

    Edit: 8,4 % ist natürlich das Verhältnis von Zahlungen zu Downloads. ;)

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